Auszug aus Nachrichten des Entomologischen Vereins Apollo, Frankfurt am Main, Neue Folge Band 21, Heft 2

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Aus: Nachr. entomol. Ver. Apollo, N.F. 21 (2): 112 (2000) –– © 2000 by Entomologischer Verein Apollo e.V.

Entomologische Notiz

Die Schmetterlingssammlung von Hermann Wilde an das Forschungsinstitut Senckenberg gelangt1

Dr. Wolfgang A. Nässig, Entomologie II, Forschungsinstitut Senckenberg, Senckenberganlage 25, D-60325 Frankfurt am Main

Im Dezember 1999 konnte die Schmetterlingssammlung des am 20. Dezember 1998 im Alter von fast 87 Jahren verstorbenen Hermann Wilde aus Roßdorf bei Darmstadt für Senckenberg eingeworben werden.

Hermann Wilde sammelte schon als Zwölfjähriger Schmetterlinge; seine erste Sammlung ging durch die Vertreibung aus dem Sudetenland verloren. Diese Sammlung soll nach unbestätigten Angaben ins Museum von Olomouc (Olmütz in Mähren) gelangt sein. Er baute dann eine neue Sammlung, die jetzt ins Senckenberg-Museum gelangt ist, seit der Kriegsgefangenschaft in den USA (in Opelika in Alabama), also etwa seit den späten vierziger Jahren, auf. Er beschäftigte sich in der Hauptsache mit Tagfaltern und sammelte dabei nicht, wie viele andere Liebhaber, speziell die „schönen und teuren“ Arten, sondern beschäftigte sich intensiv besonders mit Weißlingen (Pieridae) und Eckenfaltern (Nymphalidae s. l.). Um diese Arten bekommen zu können, nutzte er schon früh, als nur wenige andere Amateurlepidopterologen in Deutschland internationale Kontakte pflegen, intensive Tauschbeziehungen mit aller Welt. Er bekam dadurch zu Zeiten, als der internationale Austausch mit Schmetterlingen noch nicht durch viele nationale Exportverbote und internationale Handelsbeschränkungen beschnitten wurde, aus verschiedenen Ländern (etwa besonders Japan, Australien, Peru, Venezuela, Kolumbien, Mexiko, USA, Nordskandinavien und so weiter) artenreiches Material, das zum weitaus überwiegenden Teil sorgfältig etikettiert ist, meist im Austausch gegen deutsches und europäisches Material. Speziell die Bestände japanischer, australischer, neotropischer und nordamerikanischer Falter sind eine wertvolle Ergänzung der Bestände der senckenbergischen Schmetterlingsshauptsammlung.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil seiner Tätigkeit war die Zucht insbesondere europäischer und einheimischer Arten. Daneben fanden sich in seiner Sammlung viele Belege einheimischer Arten aus den Darmstädter Raum, die teilweise inzwischen im Gebiet sogar schon so gut wie ausgestorben sind. Solche Belege sind wichtige Ergänzungen für die im Aufbau befindliche Hessensammlung. In den frühen Jahren fand er beim Fang und der Zucht Unterstützung in seinem Sohn Dieter aus erster Ehe. Einige interessante Ergebnisse aus seinen Zuchten veröffentlichte er in Beiträgen in der Entomologischen Zeitschrift.

Die umfangreiche Sammlung bestand einmal aus ca. 160 dicht schließenden Sammlungskästen und zum anderen aus ca. 200 leider nicht sicher schließenden Doublettenkästen sowie ca. 220 Tütenfalterboxen; in diesen beiden letzten Kategorien war durch Schadinsektenfraß der letzten 1–2 Jahre bereits stellenweise merklicher Schaden entstanden, der gleich nach dem Transport nach Frankfurt bekämpft wurde. Die Sammlung wird zur Zeit in die Hessensammlung beziehungsweise in die Hauptsammlung integriert, was sich sicherlich noch über viele Jahre hinziehen wird.


Wilde Abb. 1 Abb. 1:  Hermann Wilde auf einer Ausstellung des Historischen Vereins Roßdorf und Gundernhausen e. V. in Roßdorf vom 27. iii. bis 22. v. 1994, auf der er seine Sammlung einem breiten Publikum vorstellte.
Wilde Abb. 2 Abb. 2: Frau Therese Wilde und der Sohn Dieter Wilde (Mitte; links einer der Veranstalter aus dem Historischen Verein) auf dieser Ausstellung. — Bilder Familie Wilde.

Ergänzung hierzu durch H. Bathon am 6. Mai 2010:
Frau Therese Wilde (links) und Sohn Dieter Wilde (Mitte), rechts daneben der Vorsitzende des Historischen Vereins Roßdorf, Prof. Dr. Horst Wilhelm.


1: Diese Notiz erschien schon in gekürzter Form in Natur und Museum, Frankfurt am Main, 130 (4): 131–132 (2000). — Für die biographischen Daten über Hermann Wilde danke ich seiner Witwe Therese Wilde. (Zurück zur Überschrift)

© Entomologischer Verein Apollo e. V., Frankfurt am Main, 2000, 2010 — ISSN 0723-9912

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Text bearbeitet fürs Internet durch W. A. Nässig, 16. Juli 2003; Ergänzung 6. Mai 2010
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